Presseinformation

__

Wiesbaden, 26. September 2018 – Frankfurt soll zu einem führenden Standort für Künstliche Intelligenz (KI) werden. „Wir haben alle Voraussetzungen, um Frankfurt zu einem internationalen KI-Hotspot zu entwickeln: Der größte Internetknoten der Welt, modernste Rechenzentren, führende IT-Sicherheitsforschung“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir am Mittwoch im Frankfurter TechQuartier. „Wir werden daher einen KI-Hub in Frankfurt aufbauen, der Technologieunternehmen, Hochschulen und öffentliche Institutionen zusammenbringen und als Sprungbrett dienen soll, um neue Produkte und Dienstleistungen in die kommerzielle Anwendung zu bringen“. Grundlage ist ein von der Hessischen Landesregierung getroffener Kabinettsbeschluss für eine KI-Strategie für den Finanzplatz.

Künstliche Intelligenz: Chance und Herausforderung für die Rhein-Main-Region

KI wird viele Lebens- und Wirtschaftsbereiche grundlegend verändern. In der Finanzbranche werden diese Veränderungen besonders früh und besonders umfassend greifen. Mit dem Finanzplatz Frankfurt beheimatet Hessen den führenden Finanzplatz in Kontinentaleuropa sowie Europas zentrales Aufsichts- und Regulierungszentrum. Der Finanzindustrie in Frankfurt und der Region fällt eine zentrale Rolle im nationalen, europäischen und globalen Wirtschaftssystem zu. Durch die Bereitstellung des Zahlungsverkehrs und von Krediten sowie durch die Finanzierung von Investitionsvorhaben, bildet der Sektor die Finanzierungsgrundlage der Wirtschaftsaktivität insgesamt.

Das immense Potenzial des Finanzplatzes Frankfurt im Bereich Künstliche Intelligenz unterstreicht auch eine aktuelle Studie des auf neue digitale Technologien spezialisierten Beratungsunternehmens Accenture, die das Hessische Wirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hatte. „Deutschland ist bei der Künstlichen Intelligenz zugleich Pionier und Nachzügler. In der Forschung sind wir international führend, bei der Nutzung unserer Daten mit KI in Wirtschaft und öffentlichem Sektor hinken wir hinterher. Deutschland muss entschlossen den eigenen Datenschatz nutzbar machen. Dazu braucht es ein neues Verständnis aller Beteiligten – Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Meinung. Alle diese Akteure müssen zum Wohle des Standorts am selben Strang ziehen und sich ambitionierte Ziele setzen“, sagte Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung Accenture Deutschland zur Veröffentlichung der Studie. „Hessen ist mit erstklassigen Forschungseinrichtungen, dem starken Finanzsektor und einer lebendigen FinTech-Szene in einer hervorragenden Ausgangsposition, um ein Leuchtturm mit weltweiter Strahlkraft bei der Anwendung von KI zu werden.“

Die zentralen Ergebnisse der Studie im Überblick:

_KI entwickelt sich zunehmend zum Motor für digitale Wertschöpfung. Die Studie prognostiziert, dass durch gezielten Einsatz von KI sich die Wachstumsrate der deutschen Wirtschaft bis zum Jahr 2035 auf 3 % verdoppeln kann.

_Die Bundesländer können vorhandene regionale Kompetenzen im Bereich der KI ausbauen und bündeln. KI spielt in der Finanzbranche eine besonders wichtige Rolle, denn die Technologie kann dazu beitragen, Kosten zu senken und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Damit bedeutet das hohe Veränderungspotential von KI gerade für Hessen Chance und Herausforderung zugleich.

_Die Studie stellt fest, dass Frankfurt die Herzkammer des deutschen Finanzdienstleistungssektors darstellt. Verwiesen wird u.a. auf den Frankfurter Börsenstandort als einer der 10 wichtigsten Handelsplätze der Welt, die am Finanzplatz ansässigen über 200 in- und ausländischen Banken, die KfW, die Deutsche Bundesbank, die EZB und BaFin.

_Hervorgehoben wird auch der Internetknoten DE-CIX, mit dem die Region ein bedeutendes Rückgrat der digitalen Wirtschaft in Deutschland bildet. Denn für die Bereitstellung von Echtzeitdaten sind Kriterien wie Latenz, Datendurchsatz und Skalierungsfähigkeit von besonderer Bedeutung.

_Die Studie stellt fest, dass Hessen bereits über wesentliche Strukturen verfügt, um ein landesweites Ökosystem für KI zu schaffen, es aber an einer übergreifenden Einrichtung fehlt, vorhandene Kompetenzen zu vernetzen und auszubauen, sowie gezielt Forschung in Anwendungen zu überführen.

Um Frankfurt als Spitzenregion zu etablieren, beginnt das TechQuartier unmittelbar mit dem Aufbau eines KI-Hubs, der bestehende Aktivitäten und Akteure koordinieren und weiterentwickeln soll.

Dr. Thomas Funke, Co-Direktor des TechQuartier: „Weltweit fließen derzeit enorme Investitionen in diese Technologie. Die technologischen Entwicklungen der nächsten Jahrzehnte werden die bisherigen Errungenschaften sicherlich verblassen lassen. Das TechQuartier kann und wird daher gezielte Schritte unternehmen, um als zentrale Drehscheibe für KI in Hessen zu fungieren und diese technologische Revolution aktiv mitzugestalten.“

Diese Ziele werden mit kurz- und mittelfristigen Maßnahmen angegangen. Der KI Hub wird in einem ersten Schritt auf bestehende Strukturen aufbauen. Mit zunehmender Größe kann der KI Hub mittelfristig eigene Strukturen aufbauen. Durch die schrittweise Umsetzung der einzelnen Module des KI Hubs können erste Aktivitäten frühzeitig beginnen und die Umsetzung der nachfolgenden Module befördern.

1. Community Building

Der Hub soll Schnittstelle und Drehscheibe zwischen KI basierten Start-Ups und KI anwendenden Unternehmen, zwischen KI-relevanter Forschung und Lehre an den in Deutschland führenden Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie öffentlichen Institutionen wie Aufsichts- und Statistikbehörden sein. Der KI-Hub vernetzt KI-Aktivitäten am Finanzplatz von Forschung bis zur Kommerzialisierung. Maßnahmen hierfür werden Formate wie Netzwerkveranstaltungen, Konferenzen, Workshops, Stipendien, Praktika, Weiterbildungsformate für digitale Talente sein.

2. Hochschulen und KI

Das Thema KI wird zunehmend in Forschung sowie Ausbildung relevant. Gemeinsam mit Universitäten und Forschungsinstituten kann der KI-Hub so durch Projekte, Veranstaltungen, Programme und eine eigens dafür eingerichtete Entrepreneurship-Professur dazu beitragen, anwendungsorientierte KI-Forschung voranzutreiben, die Ausbildung von Fachkräften für KI-Entwicklungen zu fördern und auszuweiten und die Ausgründungsprogramme an Universitäten im KI-Bereich zu unterstützen.

3. DataLab

Mit der Europäischen Zentralbank, EIOPA, Deutschen Bundesbank und BaFin befinden sich in Frankfurt die zentralen europäischen und nationalen Finanzaufsichts- und Regulierungsbehörden, bei denen alle finanzmarktrelevanten Informationen zusammenlaufen. Mit dem Statistischen Bundesamt findet sich in Wiesbaden zudem Deutschlands zentrale Bundesbehörde zur Erhebung, Sammlung und Analyse statistischer Informationen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Der KI-Hub soll mit diesen Einrichtungen daran arbeiten, diese Daten für Wissenschaft und Anwendung nutzbar zu machen. Daneben sind m Rhein Main Gebiet Unternehmen mit Ausrichtung von Datengeschäft aktiv, die in diesen Prozess eingebunden werden sollen.

4. Finanzierung der Projekte und KI-relevante Produktentwicklung

Mit den neuen Forschungsfeldern und der Bündelung der bestehenden Kompetenzen werden auch zahlreiche neue Geschäftsmöglichkeiten entstehen. Eines der Grundprinzipien des KI-Hubs wird es sein, die Lücke zwischen Forschung und Lehre einerseits und Innovation, Wirtschaft und Regulierern sowie Unternehmertum andererseits zu schließen.

Dr. Sebastian Schäfer, Geschäftsführer des TechQuartier: „Das TechQuartier wird mit neuen Startup- und Innovationsprogrammen, wie zum Beispiel der Growth Alliance AI einen Beitrag dazu leisten, das Thema KI anwendungsorientiert und dauerhaft in der hessischen Wirtschaft zu verankern.“

Gemma Ferst, die neue Ecosystem Managerin des Landes Hessen, soll den Aufbau des KI-Hubs in enger Abstimmung mit der Startup Initiative Hessen und dem Masterplan Startup Region Frankfurt Rhein-Main begleiten.

KI-Initiative der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat das Thema KI bereits aufgegriffen. Sie arbeitet aktuell auf der Basis des im Mai dieses Jahres im Kanzleramt stattgefundenen KI-Gipfels an einer nationalen KI-Strategie. Die Bundesregierung ist entschlossen, sowohl Forschung und Entwicklung als auch Anwendung von KI in Deutschland und Europa auf ein weltweit führendes Niveau zu bringen und dort zu halten. „Artificial Intelligence (AI) made in Germany“ soll zum weltweit anerkannten Gütesiegel werden. Ein erstes Eckpunktepapier hat die Bundesregierung im Juli 2018 vorgelegt. Durch die angestrebte Aufnahme in den nationalen Masterplan kann der KI-Hub am Finanzplatz Frankfurt die für die vorangehend dargestellten Herausforderungen und Aufgaben erforderliche Größe und Relevanz erreichen.

_________________________________________________________

KONTAKT: Marco Kreuter, Pressestelle
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
Kaiser-Friedrich-Ring 75, 65185 Wiesbaden,
TEL: 0611 815 2020 MAIL: marco.kreuter@wirtschaft.hessen.de
www.wirtschaft.hessen.de